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Ratgeber

BFSG-Prüfprotokoll: Barrierefreiheit systematisch prüfen

Ein BFSG-Prüfprotokoll dokumentiert systematisch, ob Ihre Website den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes entspricht. Es geht über eine einfache Checkliste hinaus: Ein Prüfprotokoll beschreibt den Prüfumfang, die angewandten Methoden, die gefundenen Ergebnisse und die priorisierten Empfehlungen. So entsteht eine nachvollziehbare Dokumentation – für interne Zwecke, für die Geschäftsführung oder als Grundlage für ein professionelles Audit.

Recht & Standards9 Min. LesezeitErstveröffentlicht: 22. August 2026

Unterschied zwischen Checkliste und Prüfprotokoll

Beide Instrumente ergänzen sich, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke.

  • Checkliste: Schneller Überblick, ob offensichtliche Barrieren vorliegen. Ideal für einen ersten Selbsttest (siehe unsere BFSG-Checkliste).
  • Prüfprotokoll: Systematische Dokumentation mit Prüfumfang, Methode, Ergebnissen und Empfehlungen. Grundlage für interne Entscheidungen und für die Beauftragung eines professionellen Audits.

Für die BFSG-Compliance ist ein Prüfprotokoll sinnvoll, weil es eine nachvollziehbare Dokumentation schafft. Wer nachweisen kann, dass ein strukturierter Prüfprozess stattgefunden hat, steht besser da als jemand, der nur einzelne Punkte stichprobenartig geprüft hat.

Aufbau eines BFSG-Prüfprotokolls

So strukturieren Sie Ihr Prüfprotokoll:

1. Prüfumfang festlegen:

  • Welche Seiten werden geprüft? (Startseite, Kontakt, Leistungsseiten, Shop, Blog)
  • Welche Komponenten werden einbezogen? (Formulare, Videos, PDFs, Navigation)
  • Welche Nutzergruppen werden berücksichtigt? (Sehbehinderte, motorisch eingeschränkte, kognitive Barrieren)

2. Prüfmethoden festlegen:

  • Manuelle Prüfung: Tastaturnavigation, visuelle Prüfung, Screenreader-Test
  • Automatisierte Prüfung: Tools wie WAVE, axe DevTools, Lighthouse
  • Kombination aus beiden: Automatisierung findet technische Fehler, manuelle Prüfung erkennt nutzerbezogene Barrieren

3. Prüfkriterien dokumentieren:

  • WCAG 2.1 Erfolgskriterien (mindestens Konformitätsstufe AA)
  • Konkrete Prüfschritte für jedes Kriterium
  • Bewertungsskala: bestanden / nicht bestanden / teilweise bestanden

Empfohlene Prüftools

Kein Tool allein reicht aus – eine Kombination ist notwendig.

  • WAVE (Web Accessibility Evaluation Tool): Kostenloser Browser-Check für automatisierte Fehler. Guter Einstieg, übersieht aber viele Barrieren.
  • axe DevTools: Entwicklerwerkzeug für automatisierte Prüfung im Browser. Kostenlos in der Basisversion.
  • Lighthouse: Googles Tool für Performance, Barrierefreiheit und SEO. Integriert in Chrome DevTools.
  • NVDA oder VoiceOver: Screenreader für manuelle Prüfung – testen Sie, ob Ihre Website für Screenreader-Nutzer bedienbar ist.

Wichtig: Automatische Tools finden etwa 30–40 % der WCAG-Barrieren. Die restlichen 60–70 % erfordern manuelle Prüfung und menschliches Urteil. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf automatisierte Ergebnisse.

Dokumentation und Bewertung

Jeder Prüfpunkt sollte dokumentiert werden mit: beschreibendem Titel, Prüfschritt, Ergebnis (bestanden/nicht bestanden), betroffene Seite, Screenshots bei Verstößen und konkreter Empfehlung zur Behebung. So entsteht ein Prüfbericht, der sowohl der Geschäftsführung als auch Entwicklern konkrete Informationen liefert.

Grenzen der Selbstprüfung

Ein internes Prüfprotokoll ersetzt kein professionelles Audit. Die Gründe: Erfordert Spezialwissen über WCAG-Kriterien, kann spezifische Barrieren (z. B. Screenreader-Kompatibilität in komplexen Interaktionen) nicht vollständig erfassen und liefert keine rechtlich verbindliche Einschätzung. Für eine rechtlich belastbare Dokumentation ist ein professionelles Audit mit Prüfbericht der sichere Weg.

Autor

Aymane El-Khalloufi

Gründer & Entwickler

Aymane El-Khalloufi ist Gründer von Weblancia und verantwortlich für Konzeption, Entwicklung und Betreuung aller Projekte.

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