Ratgeber
BFSG-Prüfprotokoll: Barrierefreiheit systematisch prüfen
Ein BFSG-Prüfprotokoll dokumentiert systematisch, ob Ihre Website den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes entspricht – im Vergleich zur Checkliste mit Prüfumfang, angewandten Methoden, Ergebnissen und Empfehlungen. So entsteht eine nachvollziehbare Dokumentation für interne Zwecke, die Geschäftsführung oder als Grundlage für ein professionelles Audit.
Unterschied zwischen Checkliste und Prüfprotokoll
Beide Instrumente ergänzen sich, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke.
- Checkliste: Schneller Überblick, ob offensichtliche Barrieren vorliegen. Ideal für einen ersten Selbsttest (siehe unsere BFSG-Checkliste).
- Prüfprotokoll: Systematische Dokumentation mit Prüfumfang, Methode, Ergebnissen und Empfehlungen. Grundlage für interne Entscheidungen und für die Beauftragung eines professionellen Audits.
Für die BFSG-Compliance ist ein Prüfprotokoll sinnvoll, weil es eine nachvollziehbare Dokumentation schafft. Wer nachweisen kann, dass ein strukturierter Prüfprozess stattgefunden hat, steht besser da als jemand, der nur einzelne Punkte stichprobenartig geprüft hat.
Aufbau eines BFSG-Prüfprotokolls
So strukturieren Sie Ihr Prüfprotokoll:
1. Prüfumfang festlegen:
- Welche Seiten werden geprüft? (Startseite, Kontakt, Leistungsseiten, Shop, Blog)
- Welche Komponenten werden einbezogen? (Formulare, Videos, PDFs, Navigation)
- Welche Nutzergruppen werden berücksichtigt? (Sehbehinderte, motorisch eingeschränkte, kognitive Barrieren)
2. Prüfmethoden festlegen:
- Manuelle Prüfung: Tastaturnavigation, visuelle Prüfung, Screenreader-Test
- Automatisierte Prüfung: Tools wie WAVE, axe DevTools, Lighthouse
- Kombination aus beiden: Automatisierung findet technische Fehler, manuelle Prüfung erkennt nutzerbezogene Barrieren
3. Prüfkriterien dokumentieren:
- WCAG 2.1 Erfolgskriterien (mindestens Konformitätsstufe AA)
- Konkrete Prüfschritte für jedes Kriterium
- Bewertungsskala: bestanden / nicht bestanden / teilweise bestanden
Empfohlene Prüftools
Kein Tool allein reicht aus – eine Kombination ist notwendig.
- WAVE (Web Accessibility Evaluation Tool): Kostenloser Browser-Check für automatisierte Fehler. Guter Einstieg, übersieht aber viele Barrieren.
- axe DevTools: Entwicklerwerkzeug für automatisierte Prüfung im Browser. Kostenlos in der Basisversion.
- Lighthouse: Googles Tool für Performance, Barrierefreiheit und SEO. Integriert in Chrome DevTools.
- NVDA oder VoiceOver: Screenreader für manuelle Prüfung – testen Sie, ob Ihre Website für Screenreader-Nutzer bedienbar ist.
Wichtig: Automatische Tools finden etwa 30–40 % der WCAG-Barrieren. Die restlichen 60–70 % erfordern manuelle Prüfung und menschliches Urteil. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf automatisierte Ergebnisse.
Dokumentation und Bewertung
Jeder Prüfpunkt sollte dokumentiert werden mit: beschreibendem Titel, Prüfschritt, Ergebnis (bestanden/nicht bestanden), betroffene Seite, Screenshots bei Verstößen und konkreter Empfehlung zur Behebung. So entsteht ein Prüfbericht, der sowohl der Geschäftsführung als auch Entwicklern konkrete Informationen liefert.
Grenzen der Selbstprüfung
Ein internes Prüfprotokoll ersetzt kein professionelles Audit. Die Gründe: Erfordert Spezialwissen über WCAG-Kriterien, kann spezifische Barrieren (z. B. Screenreader-Kompatibilität in komplexen Interaktionen) nicht vollständig erfassen und liefert keine rechtlich verbindliche Einschätzung. Für eine rechtlich belastbare Dokumentation ist ein professionelles Audit mit Prüfbericht der sichere Weg.
Häufige Fragen
Was gehört in ein BFSG-Prüfprotokoll?
Ein vollständiges Prüfprotokoll dokumentiert für jeden Prüfpunkt: Titel, konkreten Prüfschritt, Ergebnis (bestanden / nicht bestanden), betroffene Seite, Screenshots bei Verstößen und eine konkrete Behebungsempfehlung. Es enthält außerdem den Anwendungsbereich (geprüfte Seiten und Komponenten) und die verwendeten Prüfmethoden.
Wie viele Seiten muss ich für das BFSG prüfen?
Die Auswahl soll repräsentativ sein: Startseite, Kontakt, Leistungsseiten, Shop und Blog. Wichtig ist die Meldung der Seitenzahl an die Marktüberwachung gemäß den geltenden Vorgaben. Entscheidend ist, dass alle verwendeten Komponententypen (Formulare, Navigation, Videos, PDFs) abgedeckt sind.
Reichen automatisierte Prüftools für das BFSG aus?
Nein. Automatische Tools finden nur etwa 30–40 % der WCAG-Barrieren. Die übrigen Barrieren wie Tastaturbedienung oder Screenreader-Kompatibilität erfordern manuelle Prüfung. Ein belastbares Prüfprotokoll kombiniert daher automatisierte und manuelle Prüfmethoden.
Wann muss die BFSG-Umsetzung dokumentiert sein?
Die Barrierefreiheitsanforderungen gelten ab dem 28.06.2025, mit einer Übergangsfrist bis 28.06.2030 für bestimmte bestehende Inhalte. Halten Sie Ihr Prüfprotokoll aktuell, damit Sie die Konformität Ihrer Website jederzeit nachweisen können.
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Unsere Leistungen
Autor
Aymane El-Khalloufi
Gründer & Entwickler
Aymane El-Khalloufi ist Gründer von Weblancia und verantwortlich für Konzeption, Entwicklung und Betreuung aller Projekte.
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Wir erstellen ein vollständiges Prüfprotokoll mit dokumentierten Befunden und priorisierten Empfehlungen – als belastbare interne Dokumentation.
